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Nur ein lebendiger Charakter ist ein guter Charakter

Es besteht wohl kein Zweifel: Jede Geschichte steht und fällt mit den Charakteren. Dabei ist es egal, ob es sich um eine Kurzgeschichte handelt oder um ein ganzes Buch. Sind die Charaktere zu flach, unglaubwürdig, haarsträubend oder oberflächlich, verliert der Leser schnell die Lust daran, die Geschichte weiterzuverfolgen. Mir jedenfalls fällt es schwer, die Motivation aufrecht zu halten und meine Zeit in ein Buch zu investieren, wenn mir die Charaktere nicht zusagen. Und hierbei spreche ich nicht von den persönlichen Eigenschaften, sondern davon, dass ich die Charaktere nicht gut oder ausreichend gezeichnet finde. Schließlich möchte ich mitfiebern, mich in den Charakter reinversetzen können, mitlachen, mitweinen und so richtig dabei sein. Eben eintauchen in seine Welt. Das fällt mir allerdings schwer, wenn der besagte Charakter für mich nicht lebendig genug ist, oder gar haarsträubend unlogisch und unglaubwürdig.

Aus diesem Grund ist die Charaktererstellung bei eigenen Projekten auch so enorm wichtig, und wenn ich einen oder mehrere Charaktere dafür erstelle, nehme ich mir die Zeit sie lebendig werden zu lassen und kennenzulernen. Jeder Autor hat da sicher seine eigenen Methoden der Charaktererschaffung, und mit der Zeit und der Erfahrung, rücken auch Anfänger in diesem Bereich mehr und mehr von Vorgaben und Vorlagen weg und schaffen ihren eigenen Weg. Denn schließlich muss du als Autor zufrieden und im Fluss sein, und dazu gehört auch die Möglichkeiten zu finden mit denen du am besten arbeiten kannst. Aber ich weiß aus Erfahrung – schließlich fängt jeder einmal an -, dass gerade für Anfänger in diesem Bereich Vorlagen, Anleitungen und Beispiele sehr hilfreich sein können.

Ich bin eher der ungeordnete Typ. Bei mir steht am Anfang immer eine Menge Chaos, das später sortiert werden will, aber um mir die Arbeit zu erleichtern, habe ich eine mir eigene Vorgehensweise entwickelt. Oft fällt mir ein Charakter zu Zeiten und an Orten ein, wo ich gerade nicht am PC sitze oder die Zeit habe, eine großangelegte Charakterstudie aufzuschreiben. Aus diesem Grund habe ich mir zwei Vorlagen geschaffen, die zum einen aus einer Charakterkurzskizze, und zum anderen aus einer ausführlichen Charakterskizze bestehen. Die Kurzskizze passt auf ein DIN A4 Blatt und umreißt die wichtigsten Grundlagen des Charakters. Mehrfach ausgedruckt habe ich die Vorlage immer in meinem Notizbuch bei mir, um überall und zu jeder Zeit einen Charakter in Kürze zu erschaffen, damit ich den Gedanken/die Idee daran nicht verliere und später vertiefen kann. Die Vorlage kannst du dir gern am Ende des Beitrags runterladen.

Mit der kurzen Vorstellung des Charakters, habe ich schon eine recht brauchbare Grundlage für mich erschaffen, aber das reicht natürlich bei weitem nicht aus ein richtiges Gefühl für ihn zu bekommen, ihn kennenzulernen, mich in ihn hineinfühlen zu können und somit später in der Geschichte dem Leser glaubwürdig nahezubringen. Dazu brauche ich eine ausführliche Beschreibung des Charakters. Der besteht nicht nur aus ein paar äußerlichen Merkmalen, ein paar besonderen Fähigkeiten oder Besonderheiten. Nein, der Charakter in einem Buch ist genauso dreidimensional und komplex, wie ich selbst es bin und für gewöhnlich jeder andere Mensch auf diesem Planeten. Hier mache ich im Übrigen auch noch eine Unterscheidung: Zwischen einem Menschen und einer Fantasiegestalt. Denn natürlich ist der Charakter eines Menschen ganz anders beschaffen, wie es der Charakter einer Fantasiegestalt, beispielsweise einem Vampir, Werwolf, Dämon etc., wäre. Deswegen habe ich aus einem Charakterbogen zwei gemacht, die ich unabhängig voneinander benutzen kann.

Der Charakterbogen (Charakterskizze, Charaktersheet, Charaktervorlage) ist also wichtig, um mir bei der Erschaffung meines Charakters zu helfen. Dort kann ich nach Belieben festhalten, wie er beschaffen ist, welche Eigenschaften er hat, wie er aussieht, welchen Hintergrund er hat, wer und wie seine Familie und Freunde sind, unter welchen Umständen er lebt und arbeitet, welche Stärken, Schwächen, Ängste, Ziele und Träume ihm zu Eigen sind, und all die Dinge, die ich über ihn wissen muss, um mit ihm zu arbeiten und ihn agieren und reagieren zu lassen. Denn immer wieder werden Fragen innerhalb der Geschichte auftauchen: Wie reagiert mein Charakter jetzt auf diese Situation? Warum tut er dies oder das? Was bezweckt er mit der Aktion? Würde er jetzt eher so oder so agieren? Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. In diesen Momenten bin ich dankbar, wenn ich mir den Charakterbogen anschauen und anhand dessen nachvollziehen kann, was meinen Charakter in der Situation bewegt. Und da ich ja ein Chaot bin, schreibe ich immer mehrere Projekte auf einmal, liegen manche Projekte längere Zeit auf Eis oder ich krame eine Idee wieder hervor, die ich vielleicht vor Jahren mal hatte. Es ist leicht mit dem Charakter zu agieren, wenn ich mitten in der Geschichte drin bin, aber versuch das mal, wenn viel Zeit vergangen ist seit du das letzte Mal mit dem Charakter gearbeitet hast. Da verliert man schnell den Überblick. Da ich früher total unorganisiert gearbeitet und mir nicht die Mühe gemacht habe, mehr als ein paar Stichpunkte aufzuschreiben, kann ich heute viele Ideen von früher, die vielleicht ein großes Potential hätten, nicht mehr nachvollziehen. Ich bin froh, dass ich dann doch gegen mein inneres Rebellentum gekämpft und mir eine Struktur geschaffen habe ;). Schrecke also in deinem eigenen Interesse nicht davor zurück, der Vorbereitung viel Zeit und Raum zu geben. Es zahlt sich aus, versprochen.

Im Netz gibt es viele Vorlagen und Charakterbögen, die man sich frei runterladen und nutzen kann. Ich selbst habe mir einige angesehen und geladen, aber am Ende daraus meine eigenen Bögen erschaffen. Dabei habe ich Dinge weggelassen, die mir zu detailliert oder unnötig erschienen, oder Punkte hinzugefügt, die mir fehlten, die ich aber für wichtig erachtet habe. Und wie gesagt, ich habe noch die Unterscheidung zwischen Mensch und Fantasiegestalt vorgenommen, da ich persönlich so besser mit den Bögen und somit mit den Charakteren arbeiten kann. Ich reihe mich also ein in die Halle der begeisterten und ambitionierten Schreiber, die ihre Arbeit mit anderen teilen, und stellte meine Charakterskizzen hier zum freien Download zur Verfügung. Um den jeweiligen Bogen auf deine Bedürfnisse anpassen zu können (und das wird sicher vorkommen), gibt es neben der pdf-Form noch eine Alternative im OpenOffice-Format. Bitte beachte hierzu auch die FAQ’s.

Übrigens: Einen wirklich wunderbaren und ausführlichen Charakterbogen gibt es auch bei Jacqueline Vellguth von www.schriftsteller-werden.de.

Ich würde mich freuen, wenn du mir mitteilst, ob du mit den Bögen gut arbeiten kannst, oder warum eben nicht. Welche Erfahrungen hast du mit der Charaktererschaffung? War dieser Beitrag hilfreich für dich? Starte eine Diskussion über die Kommentarfunktion oder äußere weitere Anregungen.

Übersicht über die Inhalte der Charakterbögen

Download der Charakterskizzen

  1. Charakterkurzskizze (11.6 KB)
    als odt-Datei

  2. Charakterkurzskizze (29.3 KB)
    als pdf-Datei

  3. Charakterskizze-Fantasie (20.7 KB)
    als odt-Datei

  4. Charakterskizze-Fantasie (65 KB)
    als pdf-Datei

  5. Charakterskizze-Mensch (18.6 KB)
    als odt-Datei

  6. Charakterskizze-Mensch (65.9 KB)
    als pdf-Datei

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