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myPlot: Plotten ist doof – oder?

Dieser Beitrag ist Teil der Serie myPlot. Alle Beiträge dieser Serie:
  1. myPlot: Plotten ist doof - oder? (6. November 2015)
  2. myPlot: Plotten oder nicht plotten, das ist die Frage (23. Oktober 2015)

Nachdem die Grundlagen des Plotvorgangs im ersten Teil erklärt und beschrieben wurden, will ich hier ein wenig in die Tiefe gehen. Zuerst möchte ich mich näher mit den Vor- und Nachteilen des Plottens widmen, wie ich sie empfinde. Ich kann schließlich immer nur für mich selbst sprechen 😉 .

Gegen das Plotten können sprechen:

Viel zu aufwändig – Wie im ersten Teil der Serie beschrieben, würde ich auch nicht überall einen kompletten Plot erstellen. Gerade für meine Shorties lohnt das nicht, da diese oft in einem Rutsch entstehen, oder zumindest überschaubar in der Anzahl von Worten und Kapiteln sind. Wer ein gutes Gedächtnis hat und sich nur auf ein aktuelles Projekt konzentriert, um das die Gedanken ohnehin ständig kreisen, dem mag ein Plot auch sinnlos vorkommen, was ich dann auch nachvollziehbar finde. Da ist man so in der Geschichte drin, macht sich wahrscheinlich sowieso ständig Notizen oder geht in Gedanken alles durch, schreibt Hintergrundinformationen und Charakterbeschreibungen, und verliert so den Überblick nicht so schnell. Wenn man allerdings, so wie ich, mehrere Sachen gleichzeitig in Arbeit hat und sich zudem auch noch mit anderen Schreibdingen beschäftigt (wie z.B. in meinem Fall die Lyrik, meine Blogs, meine Shorties, mein Recherchebuch etc.), und/oder nicht an einem Stück an einem Projekt arbeitet, dürfte es mit der Zeit problematisch werden, einen Überblick zu behalten. In solchen Fällen halte ich das Plotten tatsächlich für sehr sinnvoll. Und das beweist sich mir auch immer wieder. Als Beispiel möchte ich dazu eine Begebenheit in den letzten Tagen nennen, wonach mich jemand nach einer Geschichte befragte, die ich mal angefangen hatte zu schreiben und ihr zum lesen gegeben hatte. Das war noch nicht viel, aber ich muss das Ganze wohl recht eindrucksvoll geschildert haben, denn ich wurde vor ein paar Tagen auf eben jene Geschichte angesprochen und ich kam wirklich in Erklärungsnot. Ich konnte mich nämlich kaum noch daran erinnern, um was genau es sich handelte und wie genau das laufen sollte. Ich hab also erst mal in meinen Unterlagen kramen müssen und fand die Geschichte wieder. Und was soll ich sagen? Sie gefällt mir und ich werde dort weiter schreiben. Dann aber mit Plot. Sicher ist sicher. Man sieht, wenn man so chaotisch angehaucht ist wie ich, und oft mit den Gedanken überall, dann ist es tatsächlich sehr sinnvoll, sich die Mühe zum plotten zu machen.

Viel zu statisch – Das kann ich nicht sagen, denn es liegt ja an mir selbst, den Plot entsprechend anzupassen. Natürlich, wenn man sehr viel Zeit in das Plotten und die Vorbereitungen gesteckt hat, dann kann ich mir vorstellen, dass das Ganze sehr statisch ist und auch so rüberkommt. Vielleicht weil man sich selbst nicht viel Spielraum lässt, ich weiß es nicht sicher. Bei mir persönlich ist es so, dass mir oft während des Schreibvorgangs selbst etwas einfällt, was gut passen würde, oder ich auf die Lösung eines Problems stoße, das ich im Vorfeld zwar hatte, aber dennoch schon zu schreiben angefangen habe. Manchmal passiert es mir auch, dass sich der Verlauf vollkommen anders gestaltet, als das ursprünglich mal geplant (geplottet) war. Kann passieren und ich empfinde es eigentlich als erfrischend, weil ich auf diese Weise oft Ansätze finde, die mir vorher entgangen sind, die aber viel besser ins Gesamtbild passen. Damit ist der eigentlich Plot im Prinzip hinfällig, aber, ehrlich gesagt, das empfinde ich als überhaupt nicht schlimm. Ich kann die Handlung ja anpassen. Meine Plots sind ohnehin nie so lang, als ob das nicht problemlos zu bewältigen wäre. Und selbst wenn: für eine gute Geschichte lohnt es doch allemal, oder? Meine selbsterstellte Plotskizze, die ich mir mehrfach als Vorlage ausdrucke und mit mir führe, erleichtert mir die Arbeit an einem Plot dabei sowieso. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich vier verschiedenen Plotskizzen vor mir liegen hatte, und mir daraus das Beste zu einem neuen Plot gebastelt habe. Stellt sich also die Frage, ob man nicht vielleicht an der eigenen Flexibilität scheitert, wenn man einen Plot als zu statisch empfindet. Aber, und ich möchte noch mal und immer wieder darauf hinweisen, jeder muss das selbst für sich entscheiden! Du, als Schreiber, musst mit deinen Methoden zurecht kommen, und da ist ohnehin alles, was dich in deinem Fluss behindert, unnötig und hinfällig.

Plotten ist verschwendete Zeit, die ich besser in das Schreiben investieren kann – Nun, ich habe schon einiges dazu geschrieben, wie ärgerlich es für mich ist und war, wenn eine eigentlich gute Idee ins Nichts verpufft, weil ich einfach entweder keine Ahnung mehr habe, was ich schreiben wollte (bzw. wie es weitergehen sollte), oder einfach keine Lust mehr habe, das Ganze erneut schreiben zu müssen, weil ich eben keine Ahnung mehr von den ganzen Zusammenhängen und Abläufen habe. Ich kann verstehen, das wenn man eine Idee hat und die sich auch ganz großartig denkt und anfühlt, man sofort mit dem Schreiben loslegen möchte. Warum auch nicht? Ganz ehrlich, und wahrscheinlich jault jetzt jeder ernsthafte Autor entsetzt auf, aber ich plotte auch nicht immer sofort. Da ich oft zunächst einzelne Szenen im Kopf habe, schreibe ich die auf, so wie ich sie im Kopf habe und wie sie sich mir in diesem Moment präsentieren. Ist das erledigt, plotte ich die Geschichte, und zwar so, dass möglichst alle Szenen reinpassen. Das klappt nicht immer und manchmal muss dann die ein oder andere Szene dran glauben, aber mich persönlich stört das nicht. Mich stört es auch nicht, wenn ich dann die einzelnen Szenen gegebenenfalls umschreiben und/oder anpassen muss. Vielleicht ist meine Vorgehensweise auch einfach nur absolutes Chaos, aber ich kann damit am besten arbeiten, und wir erinnern uns: das ist das wichtigste! Dass du damit schreiben kannst, denn nur du schreibst und niemand sonst. Organisiere dich so, wie du dich wohlfühlst, weil nur das am Ende ein gutes Gelingen garantiert.

Und um meine Flexibilität unter Beweis zu stellen, gehe ich jetzt nicht mehr auf die Vorteile ein, weil ich nämlich beim Schreiben dieses Beitrags festgestellt habe, dass mit dem Auseinanderpflücken der Nachteile, die Vorteile gleich mit genannt sind. Wenn ich den Beitrag jetzt geplottet hätte, hätte ich es umschreiben müssen, aber das ist für mich in Ordnung :-) .

Ein Nachtrag an dieser Stelle: Plotten ist natürlich immer sinnvoll, wenn es um Lösungsprobleme innerhalb einer Geschichte, um die Auflösung eines Zwists, einer Wendung etc. geht. Ich denke, dass ist ohnehin klar, aber ich wollte es dennoch hierzu geschrieben haben. Na, bin ich nicht flexibel? 😉

Im dritte Teil der Serie stelle ich meine persönliche Plotskizze vor und plotte mit euch damit anhand eines Beispiels. Das klingt doch gut, oder? Ich freue mich jedenfalls, wenn du dann wieder dabei bist. Und bis dahin würde ich mich freuen, wenn du mir über die Kommentarfunktion deine Erfahrungen mitteilst.

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